© Damir Faizulin
Jetzt nominiert
Zwölf LOBA-Finalistinnen und -Finalisten präsentieren ihre Serien, und die Gewinnerin des ersten LOBA Women Grant ist ausgewählt
Die zwölf Finalistinnen und Finalisten auf der Shortlist des Leica Oskar Barnack Award (LOBA) wurden für das Jahr 2026 von der internationalen Jury des Fotografiewettbewerbs ausgewählt. Zum 46. Mal ehrt die Leica Camera AG mit dem LOBA exzellente Fotografinnen und Fotografen, die zuvor durch einen mehrstufigen Auswahlprozess ermittelt wurden.
Alle Bildserien der Shortlist sind ab sofort unter www.leica-oskar-barnack-award.com zu entdecken und werden in den kommenden Wochen mit Texten und weiteren Informationen vorgestellt.
2026 bestimmte die Jury zusätzlich erstmals die Preisträgerin des neu etablierten LOBA Women Grants, deren Arbeit dann im nächsten Jahr präsentiert wird.
Bis zum 8. Oktober 2026 bleibt es spannend: Dann wird verkündet, wer mit dem Hauptpreis und dem Newcomer-Award ausgezeichnet wird und wer den LOBA Women Grant erhält. Die Verleihungen werden mit einem großen Fest in der Leica Welt in Wetzlar gefeiert.
© Saher Alghorra
Karin Rehn-Kaufmann
Art Director Leica Galleries Worldwide
Jury
Seit 1980 prämiert die Leica Camera AG mit dem LOBA internationale Fotografinnen und Fotografen, die mit ihren bemerkenswerten Bildserien insbesondere das Verhältnis von Mensch und Umwelt in den Blick nehmen. Ausgewählt wurde die Shortlist durch die Jury, die auf der Grundlage der eingereichten Vorschläge von mehr als 130 Fotografieexpertinnen und -experten aus 48 Ländern zurückgreifen konnte. Jede Nominatorin und jeder Nominator hat auf der Basis persönlicher Expertise und Erfahrung bis zu drei Serien bestimmt. Der Leica Oskar Barnack Award Newcomer wird in Kooperation mit 28 internationalen Institutionen und Hochschulen aus 18 Ländern bestimmt.
Die LOBA-Jury 2026 besteht aus folgenden Mitgliedern: Jane’a Johnson, Kuratorin und Wissenschaftlerin, kuratorische Assistentin, Museum of Modern Art (MoMA), New York (USA); Celina Lunsford, Künstlerische Leiterin und Kuratorin des FFF, Fotografie Forum Frankfurt (Deutschland); Paolo Pellegrin, Fotograf (Italien); Gu Zheng, Professor an der Fudan University School of Journalism, Shanghai (China); und Karin Rehn-Kaufmann, Art Director und Generalbevollmächtigte der Leica Galerien International, Österreich.
Im Anschluss an die Preisverleihung am 8. Oktober werden alle LOBA-Serien im Ernst Leitz Museum bis 04.02.2027 in einer großen Ausstellung und in einem begleitenden umfangreichen Katalog präsentiert. Nach der Ausstellung in Wetzlar wird der LOBA 2026 in weiteren Leica Galerien und auf Fotofestivals weltweit zu sehen sein.
Der LOBA gehört zu den hoch dotierten und renommiertesten Auszeichnungen im Bereich der Fotografie: Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält 40.000 Euro und eine Leica Kameraausrüstung im Wert von 10.000 Euro, die Gewinnerin oder der Gewinner des Newcomer Award 10.000 Euro und eine Leica Q3.
LOBA-Shortlist 2026
Die Serien (Haupt- und Newcomer-Kategorie) im Überblick, in alphabetischer Reihenfolge:
Saher Alghorra: Witnessing Gaza
Seit Beginn des Krieges in Gaza hat Israel internationalen Journalisten den freien Zugang zum Gebiet verwehrt. Wichtiger denn je ist die Zeugenschaft palästinensischer Fotojournalisten. Alghorra (*1997) hat in seiner Serie das Jahr 2025 in seiner gesamten komplexen Breite dokumentiert: von Mangel und Hungersnot bis hin zu Gewalt und Verlust – Szenen, die internationale Schlagzeilen produzierten, ebenso wie die zwischenmenschlichen Momente, die bei den Nachrichtenagenturen keinen Platz fanden.
Todd Antony: Buzkashi
Der neuseeländische Fotograf (*1975) dokumentiert in seiner Schwarzweißserie mit dramatischen Bildern die archaische Tradition des titelgebenden Sports, der bis heute in Tadschikistan ausgetragen wird. Wörtlich übersetzt bedeutet Buzkashi auf Persisch „Ziegenziehen“, denn gekämpft wird um den kopflosen Kadaver einer Ziege. Das Spiel entstand unter den nomadischen Reiterkulturen Zentralasiens, und noch heute sind Kraft und Reitkunst identitätsstiftende Maßstäbe für die beteiligten Spieler.
Anush Babajanyan: The Aral Sea and the Battered Waters of Central Asia
Einst war der Aralsee das viertgrößte Binnengewässer der Welt, bis heute ist er aufgrund sowjetischer Bewässerungsprojekte um mehr als 90 Prozent geschrumpft. In ihrer Serie dokumentiert die armenische Fotografin (*1983) nicht nur die Umweltkrise, sondern zeigt auch, wie sich in Usbekistan und Kasachstan Gemeinden angepasst haben, um zu überleben: Sie betreiben Kamelzucht, ernten Salzkrebse, betreiben Imkerei und fischen im wiederbelebten nördlichen Aralsee nach dem Bau des Kokaral-Staudamms.
Damir Faizulin: Preserving Nature as Preserving Ourselves
Der russische Fotograf (*1986) lenkt den Blick auf die Natur und die Lebensbedingungen in den Bergen Dagestans, gelegen im Nordkaukasus im Süden Russlands. Wie bedroht das fragile Gleichgewicht zwischen den dort lebenden Menschen und der Natur ist, verdeutlicht Faizulin in seinen Bildern, die gegenwärtige Veränderungen und den Einzug von Tourismus, moderner Architektur, Vernachlässigung gewachsener Strukturen und Kultur dokumentieren, die zugleich aber auch die Schönheit der Gegend feiern.
William Keo: Extramuros
Ein Blick auf das aktuelle Frankreich: Im Mittelpunkt der Serie des französischen Fotografen (*1996) stehen Jugendliche der Banlieues. Die Vorstädte sind von sozialer Gewalt, den Spuren der Wirtschaftskrise und der Wohnungspolitik der 1960er- und 1970er-Jahre geprägt. Doch sie sind auch Zentren der Kreativität und politischen Innovation. Keo zeigt ein Porträt des sich wandelnden postkolonialen Frankreichs, in dem die soziale, kulturelle und politische Zukunft des Landes auf dem Spiel steht.
Slava Lyu-fa: Inner Distance
Der Bezirk Nischnekolymsk in der arktischen Region Jakutiens ist von Distanz geprägt – geografisch, zeitlich und infrastrukturell. Die Gemeinden im äußersten Nordosten Russlands „sind Teil eines fragilen Systems, das durch Menschen, Erinnerung und die Notwendigkeit des Überlebens verbunden ist“, erklärt der russische Fotograf (*1989). Lyu-fa zeigt in seiner Serie unterschiedlichste Orte, in denen die Menschen, ob Fischer oder Forscher, von den klimatischen und wirtschaftlichen Veränderungen betroffen sind.
Valery Melnikov: Mariupol – Open Wounds
Im Mittelpunkt der Serie des russischen Fotografen (*1973) stehen die Menschen in der ukrainischen Hafen- und Industriestadt Mariupol. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der Belagerung der Stadt ab Ende Februar 2022 folgten unerbittliche Kämpfe, die auch zu schweren Verlusten unter der Zivilbevölkerung führten. Melnikovs laufendes Dokumentarprojekt konzentriert sich auf die unerträglichen humanitären Folgen des Krieges für die in der Stadt verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner.
Benedikt Renč: Cairo
In seiner Serie präsentiert der tschechische Fotograf (*1982) seinen persönlichen Blick auf die ägyptische Hauptstadt und die sich radikal vollziehenden Veränderungen. Sein Ziel: das unverfälschte Alltagsleben einzufangen. „Ich wollte die letzte Generation dokumentieren, die noch in dieser rohen, ungeschliffenen Realität lebt“, so Renč. „Heute, inmitten von Staub und Stein, wollte ich eine Atmosphäre bewahren, die bald verschwinden wird, wenn sich Kairo bis zur Unkenntlichkeit verändert.“
Elliot Ross: A Question of Balance
Wasser ist in der Navajo Nation – dem größten Indianerreservat der USA – keine Selbstverständlichkeit. Während der amerikanische Südwesten die schlimmste Dürre durchlebt, beleuchtet der taiwanesisch-amerikanische Fotograf (*1990) die Geschichte einer entlang ethnischer Grenzen geteilten Wasserversorgung. Pro Person verbrauchen auf der einen Seite, im Washington County in Utah, wohlhabende Gemeinden übermäßig viel Wasser, das auf der anderen Seite den Navajo-Gemeinden im Alltag fehlt.
Annie Sakkab: We Used to Watch the Rivers Go By
In Jordanien ist Wasser nicht nur eine physische Ressource, es ist auch Erinnerung – verkörpert in Stein, Erde und Gesang. „Was als Neugier auf eine Ressource begann, wurde zu einer tieferen Erforschung meiner eigenen Geschichte und meines Erbes, zu einer Suche nach Wurzeln in einem Land, das von Jahrhunderten des Wandels und der Entbehrung geprägt ist“, sagt die palästinensisch-jordanische Fotografin Sakkab (*1969). „Dies ist nicht nur eine Studie über Wasser; es ist auch eine Geschichte über Menschen.“
David Sládek: People of Šumiac
Sein zweites Zuhause hat der in der ehemaligen Tschechoslowakei geborene und in Großbritannien und Irland lebende Fotograf (*1976) vor fast zwei Jahrzehnten in dem kleinen slowakischen Bergdorf Šumiac gefunden. Seither dokumentiert Sládek das Leben, den Alltag und die Traditionen der Menschen des Dorfes. Seine Schwarzweißserie versteht der Fotograf dabei auch als eine Art Brücke zwischen zwei Gruppen, die nicht nur ein Bach trennt: die der Einheimischen und die der ebenfalls dort lebenden, stark ausgegrenzten Roma.
Laila AnnMarie Stevens: Clayton Sisterhood Project
Inspiriert von der Sehnsucht nach Erinnerung an die Vorfahren, untersucht die amerikanische Fotografin (*2001) in ihrer Serie zeitgenössische queere Verwandtschaftsbeziehungen und das fortdauernde Vermächtnis starker, selbstbewusster schwarzer Frauenpersönlichkeiten. Im Mittelpunkt steht das eigene geschaffene Lebensmodell der beiden Schwestern und vier Nichten der Fotografin, die von Queens, New York, in ein gemeinsames Haus auf einem Grundstück in Clayton, North Carolina, gezogen sind.
LOBA Women Grant
Aus den zahlreichen Bewerberinnen für den LOBA Women Grant hat die Jury eine Gewinnerin ausgewählt und ermöglicht die Fortführung ihres Projekts. Der Name der ersten Gewinnerin des LOBA Women Grant wird auf der Celebration of Photography, am Abend der LOBA-Feierlichkeiten bekannt gegeben werden.
Statements der LOBA-Jury 2026:
Karin Rehn-Kaufmann:
„Der Leica Oskar Barnack Award würdigt nicht nur herausragende fotografische Qualität, sondern auch die Fähigkeit der Fotografie, gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen und Menschen miteinander in Verbindung zu bringen.“
„Der LOBA schafft Aufmerksamkeit für langfristige Projekte, die ohne solche Plattformen nicht die verdiente Sichtbarkeit erhalten würden.“
Gu Zheng:
„Indem der LOBA darauf besteht, sich vor allem der Realität zu stellen, die Lebensumstände und -bedingungen vernachlässigter Gemeinschaften im Kontext der Globalisierung aufzudecken und – was noch wichtiger ist – die Komplexität der menschlichen Natur aufzuzeigen, spielt der LOBA eine sehr wichtige Rolle in der internationalen Fotografie-Community.“
Press-Release_LOBA_Shortlist_2026.pdf
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Über Leica Camera
Die Leica Camera AG ist ein internationaler Premiumhersteller von Kameras, Objektiven und Sportoptikprodukten mit einer über 150-jährigen Unternehmensgeschichte. Im Zuge seiner Wachstumsstrategie hat das Unternehmen sein Geschäft auf Mobile Imaging (Smartphones) sowie die Fertigung hochwertiger Brillengläser und Uhren ausgeweitet und ist mit eigenen Projektoren im Heimkino-Segment vertreten.
Die Leica Camera AG mit Sitz in Wetzlar (Deutschland) und einem zweiten Produktionsstandort in Vila Nova de Famalicão (Portugal) verfügt über ein weltweites Netzwerk eigener Vertriebsgesellschaften mit über 120 Leica Stores.
Die Marke Leica steht für exzellente Qualität, deutsche Handwerkskunst und Industriedesign verbunden mit innovativen Technologien. Fester Bestandteil der Markenkultur ist die Förderung der Kultur der Fotografie mit weltweit rund 30 Leica Galerien, Leica Akademien sowie internationalen Auszeichnungen wie dem Leica Hall of Fame Award und dem Leica Oskar Barnack Award (LOBA).