Von humorvollen Pointen und visuellen Highlights
Da ich nicht für einen Kunden tätig war, konnte ich für mich selbst fotografieren und meinen persönlichen Stil entdecken. Daher stand die Kamera für mich immer für etwas, das Spaß machte – Fotografieren fühlte sich nie wie Arbeit an.
Craig Semetko
Der bunte Subkontinent in Schwarzweiß
2013 reiste Craig Semetko zum Jubiläum „100 Jahre Leica Fotografie“ nach Indien. Das Konzept des Leica Projekts brachte zehn Fotografen mit ihren stilprägenden Vorbildern zusammen, in Semetkos Fall mit Elliott Erwitt. Der humorige Anstrich der Bilder und die Liebe zur Street Photography waren die größten Gemeinsamkeiten – neben dem Faible für Hunde. Doch Semetko fotografierte in Indien natürlich nicht nur Hunde. Bei seinen Streifzügen stachen ihm auch besondere Muster oder Geometrien ins Auge. Wie bei allen Fotografen kommt es auch bei ihm darauf an, entscheidende Elemente ins Bild zu nehmen oder auch wegzulassen. Indien war für Semetko ein fruchtbares Pflaster. Nach eigenen Aussagen produzierte er dort in drei Monaten dreimal mehr Bilder als in den drei Jahren, in denen er an seinem ersten Buch gearbeitet hatte. Seine Bilder vom indischen Subkontinent veröffentlichte er 2014 in seinem Buch India Unposed.
Es ist möglich, dass ich etwas zu viele Hundebilder in diesem Buch habe, aber das war meine fotografische Verbeugung vor Elliott.
Craig Semetko (aus: India Unposed, Interview)
Unposed – Stimmungsbilder aus den USA
Mit den Fotos, die er 2009 in seinem ersten Buch Unposed veröffentlichte, fing Craig Semetko den Zeitgeist in seinem Heimatland über zehn Jahre lang ein – mit viel Humor, einer Prise Ironie und aber bisweilen auch kritischer Distanz. In der Rückschau stellte er fest, dass auch in seinem fotografischen Werk das Meiste durch Zufälle zustande kam. Zwar war der Fotograf fasziniert von seinen großen Vorbildern Henri Cartier-Bresson und Elliott Erwitt, aber noch weit davon entfernt, sich über Komposition oder Framing Gedanken zu machen. Er gibt unumwunden zu, dass ihm damals das Bewusstsein dazu fehlte. Aus heutiger Sicht weiß Semetko, wie sehr seine Fotos auf Zufall beruhten und auch auf Instinkt. Dass Semetko bei seinem fotografischen Schaffen völlig frei agieren konnte, beflügelte seine Kreativität.
America Unposed – ein zeitloser Roadtrip durch die Vereinigten Staaten
Im Zuge eines zweiten Editing-Prozesses und mit dem manchmal nötigen Abstand ist Semetko seine fotografische Schatzkiste nochmals durchgegangen. Während sein Werk ursprünglich auf ihn wie ein politischer Kommentar wirkte, wurde ihm bewusst, dass er vor dem Hintergrund der schwierigen Zeiten in den USA lieber etwas Zeitloseres, Unabhängiges schaffen wollte. Seine Bilder aus den Jahren 2011 bis 2021 sortierte er unter diesem Aspekt noch einmal neu. Das Ergebnis America Unposed funktioniert wie ein visueller Roadtrip durch die USA. Während in seinen Anfangszeiten Semetkos Hauptaugenmerk auf dem Humor lag, schärfte er in Indien seine Wahrnehmung für Formen und Farben. In America Unposed brachte er für seine Beobachtungen in seinem Heimatland alles zusammen: In seinem neuesten Buch sind typische und überraschende Momente zu finden – von grotesk bis absurd über melancholisch und typisch zeigt Semetko Szenen aus dem Alltag oder von Festivitäten. Mit einer gewissen Distanz beobachtet der Fotograf die damaligen Entwicklungen. Gerade ist diese neue Bildauswahl als Buch mit dem Titel America Unposed erschienen. Und im Mai 2026 werden diverse Prints aus dem Werk zu sehen sein: Dann sollen der neue Leica Store Chicago und die angeschlossene Galerie mit einer Semetko-Retrospektive eröffnet werden.
Rosenberg, Texas 2012 © Craig Semetko
Es herrscht ein Maß an Absurdität und Surrealismus, das in den anderen Werken vielleicht nicht in diesem Ausmaß vorhanden ist. Ich glaube, genau so ist Amerika im Moment. Irgendwie nicht ganz normal.
Craig Semetko (aus: America Unposed, Interview)
Über Craig Semetko
Craig Semetko spielt im Fotografiekosmos eine besondere Rolle, denn er verbindet zwei kreative Welten miteinander: Comedy und Street Photography. Seine fotografische Handschrift ist stark von seinem Humor geprägt. Seine berufliche Karriere startete er als Comedy-Autor und Live-Performer. Sein Schwerpunkt lag dabei nicht auf klassischen Comedy-Clubs, sondern vor allem auf Corporate Entertainment und Firmenveranstaltungen, für die er nicht nur in den USA, sondern auch in England, Irland, Japan und China unterwegs war. Er trat bei Veranstaltungen für Unternehmen auf und entwickelte Programme für Business-Events. Ein paar Umwege und vor allem einige „glückliche Zufälle“ führten ihn zur Fotografie. Eine Freundin empfahl seine Bilder einer Galerie in Colorado, die Semetkos Werke prompt zusammen mit dem großen Henri Cartier-Bresson ausstellte – neben Elliott Erwitt eine seiner Inspirationsquellen. Erwitt war später sogar so etwas wie ein Mentor. Von seiner ersten Ausstellung in Colorado an ging es für Semetko Schlag auf Schlag: Auf Ausstellungen im Leica Headquarter in Wetzlar folgten Schauen in der Leica Galerie Frankfurt und der Leica Galerie Salzburg, wo er Bilder von seinem Roadtrip durch die USA zeigte.