Momente, die bleiben
Über Ása Steinars
Ása Steinars ist Abenteuerfotografin, Unternehmerin und Creative Consultant aus Island. Sie ist inmitten der Natur aufgewachsen und verbrachte viel Zeit im Freien. Das inspirierte sie schließlich dazu, eine Kamera in die Hand zu nehmen.
Was als Leidenschaft fürs Fotografieren und für Entdeckungen begann, wurde rasch zum Hauptberuf. Im Laufe der Jahre hat sie ihr Leben ganz auf Reisen, Storytelling und Content Creating von den Orten ausgerichtet, die sie besucht. Neben ihrer visuellen Arbeit ist sie Mitgründerin von Vanlife Iceland und Fjara of Iceland. Ein Großteil ihrer Werke entsteht unterwegs, oft bei langen Reisen mit dem Wohnmobil, auf denen sie die verschiedensten Ecken Islands erkundet.
In den sozialen Medien teilt Ása ihre Ansichten zum Reisen, zum Fotografieren und zum Leben unterwegs. Sie hat eine Community mit mehr als zwei Millionen Menschen aufgebaut und gehört mittlerweile zu den bekannteren, vertrauenswürdigeren Stimmen im Segment der Abenteuerreisen. Auf Instagram ist sie unter @asasteinars zu finden.
Interview mit Ása:
Leica: Ihre Werke sind zutiefst durch Islands raue, sich ständig verändernde Landschaften geprägt. Wie hat Ihr Aufwachsen in dieser Umgebung nicht nur Ihre Fotografie beeinflusst, sondern auch Ihre Mentalität und die Art, wie Sie Herausforderungen im Leben begegnen?
Wenn du in Island aufwächst, lernst du schnell, dass du nicht alles kontrollieren kannst. Das Wetter schlägt schnell um, widrige Umstände sind an der Tagesordnung, und die Natur hat immer das letzte Wort. Statt dagegen anzukämpfen, lernst du, dich anzupassen, das Beste aus allem zu machen und dich nicht allzu sehr zu stressen, wenn etwas nicht nach Plan läuft.
In Island gibt es ein Sprichwort, „þetta reddast“. Das bedeutet sinngemäß: „Letzten Endes wird sich alles fügen.“ Ich denke, diese Geisteshaltung ist für viele von uns eine Lebensphilosophie. Besonders früher, als die Menschen lange, dunkle Winter und unberechenbare Umstände durchstehen mussten, half der Glaube daran, dass sich alles irgendwie fügen würde. Das hat mich sowohl beim Fotografieren als auch fürs Leben geprägt. Ich versuche, flexibel zu bleiben, auf Abläufe zu vertrauen und damit zu arbeiten, was ich direkt vor mir habe, statt alles zu sehr erzwingen zu wollen.
Leica: Was motiviert Sie als Vollzeit-Content-Creator und Creative Consultat, Ihre kreativen Grenzen immer mehr auszuweiten, und wie bleiben Sie Ihrer persönlichen Vision treu?
Ich denke, ich bleibe motiviert, weil ich mich immer weiterentwickeln möchte. Ich wollte mich niemals in eine Schublade stecken lassen, und meine kreative Arbeit verändert sich ganz natürlich mit jeder neuen Lebensphase. Ich bin immer offen fürs Lernen, für neue Ideen und für neue Perspektiven auf vertraute Orte. Diese Neugier hält meine Leidenschaft am Leben.
Aber im Zentrum meiner Werke kehre ich immer wieder zu den gleichen Motiven zurück: unverfälschte Natur, weite Landschaften, kaltes Wetter und die Art von wilder, stürmischer Atmosphäre, in der man sich absolut winzig vorkommt. An diesen Orten spüre ich die tiefste Verbundenheit, und dort fühle ich mich am lebendigsten. Das kreative Schaffen an Orten, die sich nur mit einiger Mühe erreichen lassen, hat etwas sehr Erfüllendes – zum Beispiel, wenn du auf einer Wanderung mit dem Wetter klarkommen, auf den richtigen Moment warten, in einem Zelt schlafen und geradezu zu einem Teil der Landschaft werden musst, bevor du die ersten Bilder aufnehmen kannst.
Abenteuer haben bei meiner Kreativität immer schon eine große Rolle gespielt. Wenn ich anfange, die Inspiration zu verlieren, weiß ich, dass ich nach etwas am Horizont Ausschau halten muss, das mich herausfordert oder an einen unbekannten Ort bringt. Diesen Sommer werde ich in einige der entlegensten Gebiete Grönlands reisen, und ich weiß genau, dass genau so eine Reise mir neue Energie und Inspiration geben wird.
Meiner Vision treu zu bleiben, bedeutet gleichzeitig auch zu wissen, wann gerade nicht die Zeit für kreatives Schaffen ist. Ich versuche, mich selbst daran zu erinnern, Pausen zu machen, die Kamera beiseitezulegen und einfach die Dinge zu erleben, ohne darüber nachzudenken, wie sie auf einem Foto oder in einem Video aussehen würden. Ich finde, in unserer so temporeichen Welt ist es wichtig, daran zu denken, dass nicht jeder Moment auf einem Bild festgehalten werden muss. Manche Momente sind nur dazu da, erlebt zu werden.
Leica: Abenteuer und Natur stehen bei Ihnen sowohl beruflich als auch privat im Mittelpunkt. Welche Rolle spielen beide dabei, dass Sie das seelische Gleichgewicht bewahren und auch außerhalb Ihrer Arbeit einen Sinn im Leben finden?
In der Natur fühle ich mich selbst am stärksten. Wenn ich zu lange in der Stadt bin, fange ich an, mich eingesperrt zu fühlen und die Verbundenheit zur Natur zu verlieren. Aber sobald ich mich ins Auto setze und in die isländische Landschaft hinausfahre, spüre ich sofort, wie die Anspannung abklingt. Eine solche Reise macht mir den Kopf so klar und frei wie sonst nichts anderes. In meiner Kindheit und Jugend war ich mit meiner Familie viel im Freien, und dafür bin ich sehr dankbar.
Die Natur war immer schon der Ort, an dem ich zur Ruhe kommen kann, sowohl mit als auch ohne Kamera. Und sie hat mich schon immer fasziniert. Das Wetter, das Meer, die Wildtiere, Wale, Vögel, abgelegene Orte, einfach alles. Ich glaube, ein Teil von mir hatte schon immer den Traum, diesen Welten näher zu sein und sie im Bild festzuhalten.
Die Fotografie war nur die logische Folge. Ich bin nostalgisch, und ich hatte schon immer diesen Drang, Momente, Abenteuer und das Gefühl eines besonderen Moments zu dokumentieren. Mir ist es sehr wichtig, auch die Gefühle einzufangen. Nicht nur, wie es an einem Ort aussieht, sondern, auch wie es sich anfühlt, dort zu sein. Abenteuer und Natur sind für mich viel mehr als nur Arbeit. Sie halten mich im Gleichgewicht. Die Tatsache, dass ich mein ganzes Leben darauf ausrichten konnte, fühlt sich immer noch sehr besonders an.
Leica: Welche Werte oder Botschaften möchten Sie neben den visuellen Eindrücken mit Ihren Werken vermitteln, und wie spiegeln diese Sie persönlich wider?
Ich hoffe inständig, dass meine Werke die Menschen dazu anregen, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und die Welt um sich herum bewusster wahrzunehmen. Das muss gar nicht ins Extreme ausarten; ich finde nicht, dass ein Abenteuer nur dann ein Abenteuer ist, wenn man sich in die Ferne aufmacht. Manchmal reicht es schon, einfach nach draußen zu gehen.
Ich möchte mit meinen Werken den Menschen ein Gefühl der Ruhe geben und vielleicht ein bisschen Frieden in ihr Leben bringen.
Meine Werke spiegeln mich als Menschen auf vielerlei Weise wider. Ich bin neugierig und immer auf der Suche nach diesem Gefühl von Freiheit. Mir ist es wichtig, meinen eigenen Weg zu gehen, auch und besonders außerhalb der ausgetretenen Pfade. Ich hoffe, dass meine Werke den Menschen Mut machen, neugieriger durchs Leben zu gehen, sich selbst stärker zu vertrauen und wieder neue Verbundenheit mit der Natur zu knüpfen, so wie es sich für sie richtig anfühlt.