„Festival de Flores y Jardines“ in Mexiko-Stadt
Eine Stadt erblüht
Einmal im Jahr wird aus Polanco, einem Stadtviertel in Mexiko-Stadt, ein lebendiger Garten. Seit 2017 bringt das „Festival de Flores y Jardines“ (FYJA) Floristen, Landschaftsarchitekten und Kunstschaffende zusammen, um mit monumentalen Blütenbögen und temporären Gärten öffentlichen Raum neu zu erzählen. Im Zentrum der Ausgabe 2026 steht „Der mexikanische Garten“: seine Artenvielfalt, seine Geschichte, seine Bedeutung für die Stadt. Die beiden lateinamerikanischen Fotografinnen Greta Rico und Luvia Lazo begleiten das Festival mit ihrer Leica und halten fest, was zwischen Ernte, Markt und Installation entsteht.
Die Wurzeln des Festivals
Vor dem ersten Blütenbogen steht die Ernte. Die jüngste Ausgabe des FYJA stellt den mexikanischen Garten in den Fokus und mit ihm die einheimischen Arten des Landes: Dahlien und Cempasúchil, Nochebuena und wilde Orchideen. Auf den Feldern rund um Mexiko-Stadt werden abertausende Stiele von geübter Hand geschnitten, gebündelt und noch feucht vom Morgentau behutsam in Kisten geschichtet. Es ist ein Handwerk, das auf Zeitfenster reagiert, denn manche Blüten öffnen sich nur für wenige Stunden, andere überstehen den Transport nur bei kühler Witterung.
Der Duft der erwachenden Stadt
Von den Feldern führt der Weg direkt auf den Markt, oft zum Mercado de Jamaica im Herzen der Stadt, wo die Bauern ihre eigene Ernte an Ständen anbieten. Schon in den frühen Morgenstunden füllen sich die Gänge mit Farbe und Duft – Rosen neben Callas, Gerbera neben Ranunkeln. Käufer prüfen Stiele und Knospen mit routiniertem Blick, verhandeln in wenigen Sätzen, tragen eimerweise Blüten davon. Mit der Leica in der Hand hält eine der beiden Fotografinnen diesen Trubel fest, bevor die Blüten zu Bögen oder Skulpturen verarbeitet werden. Für das FYJA ist dieser Markt weit mehr als Handel. Er ist der Ursprung jeder floralen Fassade und Installation, die später in Polanco zu sehen sein wird.
Blüte für Blüte handverlesen
Für die Blütenbögen und Installationen des FYJA wählen Floristen und Landschaftsarchitekten jede einzelne Blume von Hand aus. Entscheidend sind Farbe, Form und Frische, aber auch, wie eine Blüte sich in den kommenden Tagen verändert, denn viele Arbeiten stehen tagelang im Freien. Manche Stiele werden nach Symbolik ausgesucht, andere nach der Statik, die eine großformatige Konstruktion verlangt.
Wer hier für das FYJA einkauft, denkt bereits in fertigen Bildern: ein Bogen über dem Parque América, ein Garten im Parque Lincoln, eine Fassade entlang der Avenida Presidente Masaryk. Die Stimmung an diesen Ständen ist konzentriert und zugleich euphorisch. Denn hier nehmen Visionen durch die ausgewählten Blüten Gestalt an, bevor sie schon bald die Straßen von Polanco säumen werden.
Umhüllt von tausend Blüten – der Leica Store
Mitten im Viertel, an der Avenida Presidente Masaryk, wird auch der Leica Store Mexico City Teil des FYJA. Für das Festival verschwindet seine Fassade unter roten Blüten, die dicht an dicht gesetzt ein einziges rotes Relief ergeben. Darauf erscheinen filigrane, vollständig aus Blumen geformte Figuren wie Marienkäfer und Schmetterling. Selbst das Porträt einer Frau und eine Leica M werden floral verwirklicht. Und so erwächst aus dem Werkzeug der Fotografie selbst ein eindrucksvolles Motiv.
Über Luvia
Luvia Lazo ist eine indigene Fotografin zapotekischer Herkunft aus Teotitlán del Valle, Oaxaca, Mexiko. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit Identität, gesellschaftlichem Wandel über Generationen hinweg, Trauer und der symbiotischen Beziehung zwischen Menschen und Orten auseinander, die von kultureller und spiritueller Bedeutung geprägt sind.
Für ihre Arbeit wurde Lazo unter anderem in das Programm Young Creators des mexikanischen FONCA (National Fund for Culture and the Arts) aufgenommen. 2021 erhielt sie den renommierten Indigenous Photograph Award. Ihre Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen in Mexiko-Stadt, New York, Barcelona und weiteren Städten gezeigt und in renommierten Publikationen wie The New Yorker, Vogue USA und Vogue Mexico veröffentlicht.
Ihr ausgezeichnetes Projekt „Women from the Clouds“ ist eine eindringliche fotografische Serie, die ein vielstimmiges Porträt indigener Frauen unterschiedlichen Alters im heutigen Mexiko zeichnet. Lazo versammelt darin individuelle Geschichten und Erfahrungen und eröffnet einen differenzierten Blick auf die Lebensrealitäten indigener Frauen und auf Weiblichkeit in ihrer ganzen Vielfalt.
Über Greta
Greta Rico ist Dokumentarfotografin, visuelle Künstlerin und feministische Pädagogin aus Mexiko. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Geschlechterverhältnissen, Klimawandel, Ernährung, Care-Ökonomien, Kolonialität und sozialen Traumata.
Seit 2024 ist sie Mitglied des mexikanischen Nationalen Systems der Kunstschaffenden. Für ihre Projekte erhielt sie Förderungen und Stipendien von Organisationen wie dem Leica Women Photo Project, Bertha Challenge, Women Photograph, National Geographic und dem Bob and Diane Fund. International hält sie Vorträge und gibt Masterclasses und begleitet fotografische Projekte in Mexiko und Lateinamerika als Mentorin.
Greta ist Mitglied des Advisory Committee von Women Photograph und Mitgründerin von Rosa Chillante. Darüber hinaus ist sie bei Diversify Photo, Foto Féminas, Fotógrafas sin Fronteras und Femgrafía aktiv. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in The New York Times, The Washington Post, The Guardian, El País und Leica Fotografie International veröffentlicht und international ausgestellt. Ihre Fotografien befinden sich in Sammlungen in ganz Mexiko.