Sie ist die wichtigste zeitgenössische und international bekannteste Fotografin aus Mexiko: In diesem Jahr wurde Graciela Iturbide für ihr Lebenswerk mit dem Leica Hall of Fame Award ausgezeichnet. Die Ehrung war Teil der diesjährigen Celebration of Photography am 8. Oktober 2026 in der Leica Welt in Wetzlar. Die begleitende Ausstellung mit mehr als 50 Fotografien wird in der Leica Galerie Wetzlar bis Januar 2027 präsentiert. Als Leica Picture of the Year 2026 wurde Graciela Iturbides Motiv „Na’ Lupe Pan“ aus der Serie „Juchitán“, Oaxaca, Mexiko 1986, ausgewählt.
Die Ausstellung bietet einen intensiven Einblick in das Lebenswerk der Künstlerin, das sich vor allem der lateinamerikanischen Kulturgeschichte widmet, von der Auseinandersetzung mit universellen Themen wie Leben und Tod, Ritualen und Alltagserfahrungen geprägt ist und sich durch eine ergreifende Poesie und Magie auszeichnet. Immer wieder lässt die Fotografin die Spannungen zwischen Kultur und Natur, Tradition und Moderne, Identität und Repräsentation aufscheinen, sodass die Bilder eine rätselhafte Mehrdeutigkeit behalten. Tief verwurzelt in der mexikanischen indigenen Kultur, in Verbindung mit surrealen Elementen sowie zu Religion und Mystik, hat Iturbide in vielen Jahrzehnten eine unverwechselbare Bildsprache, zumeist in Schwarzweiß, entwickelt. Vögel und Masken tauchen immer wieder als symbolische Begleiter auf. Das bekannteste markante Werk der Fotografin, die Aufnahme „Nuestra Señora de las iguanas“ (Unsere Liebe Frau der Leguane), entstand 1979 auf einem Markt in Juchitán. Es ist die geheimnisvolle Porträtinszenierung einer Marktfrau mit einer Krone aus lebenden Leguanen: eine mexikanische Hydra, aber auch im Sinne christlicher Deutung ein weiblicher Christus mit animalischer Dornenkrone.
Das Werk Iturbides steht in einer humanistischen fotografischen Tradition, die dokumentarische Bilder durch die Einbeziehung psychologischer und spiritueller Elemente stetig zu einer außerordentlich vielschichtigen subjektiven Fotografie erweitert hat. Neben Stillleben und Landschaftsmotiven haben vor allem ihre Sozialreportagen über die Lebenssituation der indigenen Gemeinschaften Mexikos und die Bedeutung matriarchalischer Gesellschaftsstrukturen für Aufsehen gesorgt und sie zu einer der wichtigsten fotografischen Stimmen Lateinamerikas werden lassen.
Die anlässlich des Leica Hall of Fame Award zusammengestellte Präsentation setzt sich aus über 50 Aufnahmen aus fünf Serien zusammen: „Juchitán“, mit Fotografien aus der mexikanischen Metropole im Bundesstaat Oaxaca (1979–1988), „México Clásicas“ (1974–2008), „Pájaros“ (Vögel,
1987–1998), „Desierto de Sonora“ (Sonara-Wüste, 1979) und der Serie „Viajes“ (Reisen), die in Ecuador, Panama, Argentinien und Kuba aufgenommen wurde (1972–1994).
Graciela Iturbide wurde am 16. Mai 1942 in Mexiko-Stadt geboren. Schon als Kind war sie von der Fotografie fasziniert; ihr Vater war ein passionierter Amateurfotograf. Bereits mit 19 Jahren heiratete sie den Architekten Manuel Rocha Díaz (1936–1996) und wurde Mutter von drei Kindern, bevor sie 1969 ein Filmstudium an der nationalen Filmhochschule Mexikos, dem Centro Universitario de Estudios Cinematográficos (CUEC) aufnahm. 1970 wurde sie für ein Jahr die Assistentin des Fotografen Manuel Álvarez Bravo, mit dem sie auf zahlreichen Reisen das ländliche Mexiko und die Vielfalt indigener Gemeinschaften entdeckte. Ein persönlicher Schicksalsschlag im selben Jahr, der Tod ihrer sechsjährigen Tochter Cláudia, veränderte ihr Leben radikal, und Iturbide entschied sich für den Beruf der Fotografin. Bereits 1975 hatte sie ihre erste Ausstellung in Mexiko-Stadt, 1976 erstmals in New York City. Ab den 1980er-Jahren erfolgte eine beständig wachsende internationale Wahrnehmung. Zahlreiche Ehrungen wurden ihr zuteil, u. a. der W. Eugene Smith Award (1987), der Hugo-Erfurth-Preis (1989), der Preis der Rencontres internationales de la photographie d’Arles (1991), der Hasselblad Award (2008), die Goldmedaille des Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura (INBAL) in Mexiko-Stadt (2024) und der Prinzessin-von-Asturien-Preis für die Künste (2025). Iturbide lebt in Mexiko-Stadt.
Leica Picture of the Year
Als Leica Picture of the Year 2026 wird exklusiv und limitiert eine Aufnahme Iturbides durch die Leica Galerien angeboten. Das Motiv „Na’ Lupe Pan“, aufgenommen 1986 in Oaxaca, Mexiko, entstammt der Serie „Juchitán“. Seit 2021 widmet die Leica Camera AG das Leica Picture of the Year herausragenden Leica Fotografinnen und Fotografen, die in die Leica Hall of Fame berufen wurden. Nach Ralph Gibson, Thomas Hoepker, Elliott Erwitt, Herlinde Koelbl und Joel Meyerowitz ist 2026 nun Graciela Iturbide die Fotografin des Leica Picture of the Year.
Leica Hall of Fame Award
Bilder, die die Welt berührt haben, Momente, die unvergessen bleiben: Die Leica Camera AG beruft seit 2011 herausragende Fotografinnen und Fotografen in die Leica Hall of Fame, die mit ihrem Blick auf die Welt etwas bewegt, etwas verändert haben. Zeugnisse ihres Schaffens sind Bildikonen, die sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, die berührend und zeitlos die Conditio humana veranschaulichen. Als Erster wurde 2011 Steve McCurry mit dem Leica Hall of Fame Award geehrt, es folgten Barbara Klemm, Nick Út, René Burri, Thomas Hoepker und Ara Güler. 2016 wurde Joel Meyerowitz ausgezeichnet, 2017 Gianni Berengo Gardin, und 2018 waren es Bruce Davidson und Jürgen Schadeberg. 2019 folgte Walter Vogel, 2021 Ralph Gibson, 2023 Elliott Erwitt, und 2024 kam Herlinde Koelbl hinzu. Mit Graciela Iturbide erhöht sich die Anzahl der Mitglieder der Leica Hall of Fame auf 15 Ausgezeichnete.
Während der Celebration of Photography am 8. Oktober in der Leica Welt Wetzlar wurde nicht nur Graciela Iturbide mit dem Leica Hall of Fame Award gewürdigt, sondern es wurden auch die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner des 46. Jahrgangs des Leica Oskar Barnack Award sowie des erstmals vergebenen LOBA Women Grant prämiert. Alle LOBA-Shortlist-Serien des aktuellen Jahrgangs werden bis zum 18. Februar 2027 im Ernst Leitz Museum präsentiert.
Für weitere Informationen
Leica Camera AG
Fabian Pecht
Corporate Communications
Telefon +49 (0) 151 1093 4599
fabian.pecht@leica-camera.com
PM-LHoF_Oktober_2026.pdf
Über Leica Camera
Die Leica Camera AG ist ein internationaler Premiumhersteller von Kameras, Objektiven und Sportoptikprodukten mit einer über 150-jährigen Unternehmensgeschichte. Im Zuge seiner Wachstumsstrategie hat das Unternehmen sein Geschäft auf Mobile Imaging (Smartphones) sowie die Fertigung hochwertiger Brillengläser und Uhren ausgeweitet und ist mit eigenen Projektoren im Heimkino-Segment vertreten.
Die Leica Camera AG mit Sitz in Wetzlar (Deutschland) und einem zweiten Produktionsstandort in Vila Nova de Famalicão (Portugal) verfügt über ein weltweites Netzwerk eigener Vertriebsgesellschaften mit über 120 Leica Stores.
Die Marke Leica steht für exzellente Qualität, deutsche Handwerkskunst und Industriedesign verbunden mit innovativen Technologien. Fester Bestandteil der Markenkultur ist die Förderung der Kultur der Fotografie mit weltweit rund 30 Leica Galerien, Leica Akademien sowie internationalen Auszeichnungen wie dem Leica Hall of Fame Award und dem Leica Oskar Barnack Award (LOBA).