A woman walks along a pavement through the fog

My Wonderland, continued

Cedric Roux mit der Leica Q

20/04/2026

Das Interview

Ihr neues Projekt ist eine Fortsetzung Ihrer Serie My Wonderland. Was ist diesmal anders?
Eigentlich sehe ich diese neue Serie nicht als Richtungswechsel, sondern als eine fortlaufende Entwicklung. Mein erstes Buch My Wonderland, das mittlerweile ausverkauft ist, behandelte die ersten zehn Jahre meiner Arbeit in Manhattan. Ich hatte nie vor, dass es eine Endstation sein sollte; es war lediglich das erste Kapitel. In gewisser Weise hat sich nichts geändert, und doch ist alles anders. Da ich über einen so langen Zeitraum arbeite, begleite ich die Stadt im Wesentlichen bei ihrer Verwandlung. So wurden beispielsweise im ersten Buch nur sieben von 60 Bildern vor der Pandemie aufgenommen. Diese neue Arbeit fängt die anschließende Veränderung New Yorks und seiner Bewohner ein. Ich dokumentiere den Wandel der Stadt in der Zeit, in der wir leben, und beobachte, wie sich die Seele Manhattans im Laufe der Zeit verändert.

Warum ist New York für Sie ein Wunderland?
Für mich ist ein Wunderland kein Märchen, es ist ein Ort, an dem man sich am meisten wie man selbst fühlt, ein Zufluchtsort, an den man sich zurücksehnt, idealerweise einmal im Jahr, um sich neu zu orientieren. Es ist ein Ort, der sich von meinem Alltag abhebt, eine Sphäre, in der ich nicht im herkömmlichen Sinne „arbeite“, sondern eine Zeitkapsel, in der ich mich ganz auf den gegenwärtigen Moment einlassen kann. New York ist für mich dieser Ort, weil es dort eine einzigartige Freiheit gibt. Es herrscht dort eine schöne Gleichgültigkeit; die Menschen sind so in ihr eigenes Leben vertieft, dass sie anderen keine Beachtung schenken. Diese kollektive Anonymität lässt alles leicht und ungezwungen erscheinen. Sie gibt einem den Raum, einfach nur zu sein.

Cedric Roux portrait

© Corentin_Fohlen

Über Cedric Roux

Die fotografische Arbeit des Franzosen Cedric Roux hat ihre Wurzeln vor allem in den Straßen von Megastädten. Als Orte der Bewegung und Spannung werden sie zum Schauplatz von Präsenz, Unmittelbarkeit und zufälligen Begegnungen. Durch Langzeitprojekte wie My Wonderland und Before Rebirth offenbaren seine Bilder die städtische Umgebung in Fragmenten von Zerbrechlichkeit, Einsamkeit oder Ernüchterung. Seine Arbeiten werden regelmäßig in Frankreich und international ausgestellt und veröffentlicht. Sein neuestes Projekt trägt den Titel Lost Angels.

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