Zwischen Farbe und Schwarzweiß
Im Rahmen der aktuellen Ausstellung in Düsseldorf spricht Marco Bischof, Sohn des Fotografen Werner Bischof, über das Leben und Werk seines Vaters sowie die Hintergründe der präsentierten Arbeiten.
Die Leica Galerie Düsseldorf präsentiert die Ausstellung „Werner Bischof – Zwischen Farbe und Schwarzweiß“, die das facettenreiche Schaffen des Schweizer Magnum Fotografen Werner Bischof (1916–1954) beleuchtet.
Bischof, bekannt für seine ikonischen Schwarzweißaufnahmen, setzte sich überraschend früh auch mit dem Medium Farbe auseinander – bereits 1938 entstanden erste Aufnahmen. Diese bislang wenig bekannten Farbaufnahmen sind ein bemerkenswerter Fund und belegen, dass Farbe für Bischof von Beginn an mehr war als ein technisches Experiment – sie war ein bewusst gewähltes Ausdrucksmittel.
Wie war es für Sie diesen Schatz der Farbfotografien zu heben?
Die Glasnegative lagen in einer Schachtel bei uns und meine Mutter Rosellina sagte mir, sei vorsichtig damit, sie können schnell zerbrechen und deshalb blieben sie lange einfach im Archiv. Als ich dann entdeckte, dass von jedem Motiv drei identische schwarzweiß Glasnegative vorhanden waren, habe ich es erst gar nicht verstanden und beschäftigte mich mit der speziellen Technik der Devon Tri-Color Kamera, die mein Vater benutzt hat. Die Devon kam aus den USA und war schwer und unhandlich, man benötigt pro Bild 3 Glasnegative, die hinter einem roten, grünen und blauen Filter gesetzt werden, halbdurchlässige Spiegel leiten das Licht dann durch die Filter so das ein Farbbild entsteht. Eine one-shot Kamera, es war wirklich eine Entdeckung, eine ganz spezielle Technik und es liegt eine besondere Ästhetik in diesen Farbaufnahmen.
Farbfotografie steckte zu dieser Zeit in den Kinderschuhen und hatte noch gar nicht die Bedeutung wie die klassische Schwarzweiß Fotografie?
Ja, genau. Werner Bischof ist ja bekannt geworden als klassischer schwarzweiß Fotograf, und das ist eigentlich in dem Sinn gar nicht korrekt, seit Ende der 30er Jahre hat er bereits in Farbe fotografiert. Es war damals der Tenor, auch bei Magnum Photos, das Farbfotografie eher in die Werbung gehört und im Studio Verwendung fand. Werner Bischof hat hier nie Berührungsängste gehabt. Wenn man sich das Schweizer Kulturmagazin Du anschaut, hat er immer Schwarzweiß und Farbe kombiniert, die Farbe war damals noch nicht so entwickelt, war sehr teuer sehr kompliziert.
In den Arbeiten von Werner Bischof sieht man ein tiefes Interesse an den Menschen, er war ein humanistischer Fotograf und hatte Probleme mit der Sensationspresse, wie hat er es geschafft das auszuhalten?
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat er dokumentiert, wie zerstört Europa ausgesehen hat. Aufgrund dieser Bilder ist er dann zu Magnum, einer Kooperative von Fotografen, gekommen und hat fotojournalistisch gearbeitet. Für die Presse musste er Sensationsgeschichten erzählen und das hat es ihm nicht gepasst, er hatte keinen Einfluss mehr auf das Layout, auf die Bildtitel, auf den Text, das hat ihm einfach total missfallen. Nach den zwei Jahren als Fotojournalist, vor allem in Asien, hat er beschlossen nach Nord- und Südamerika zu gehen und kein Fotojournalist mehr sein, sondern als Autorenfotograf zu arbeiten. Er hat sich Zeit genommen, um ein Land zu bereisen, um die Menschen kennenzulernen, das ist eine ganz andere Art der Arbeit als irgendwo hinzufahren und eine Story zu fotografieren. Er versuchte mit fotografischen Mitteln neue Ausdrucksformen zu finden.
Nur Arbeit, die in die Tiefe geht, mit völliger Hingabe geleistet und mit ganzem Herzen abgerungen wurde, kann wahrhaft Wert besitzen.
Werner Bischof
Die Düsseldorfer Ausstellung „Werner Bischof – Zwischen Farbe und Schwarzweiß" lädt Besucher ein, die Vielseitigkeit und Tiefe von Bischofs Werk neu zu entdecken und einen der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts aus einer erweiterten Perspektive zu betrachten. Die Gegenüberstellung von Schwarzweiß- und Farbfotografien zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich Bischof mit beiden Ausdrucksformen auseinandersetzte und wie sie sich in seinem Werk gegenseitig ergänzen.
Das Interview führte die Leica Galeristin und Kuratorin Ulla Born mit Marco Bischof in der Ausstellung.