Wo Eis auf Licht trifft: Mit zwei Leica SL3 durch das Rossmeer
Wo Eis auf Licht trifft
Mit zwei Leica SL3 reist Werner Rüegg ins Rossmeer. Dort fotografiert er gewaltige Eislandschaften, riesige Pinguinkolonien und seltene Begegnungen mit Tieren – immer auf der Suche nach dem entscheidenden Zusammenspiel von Licht, Geduld und Natur.
Es ist zwei Uhr morgens, doch die Sonne steht noch immer über dem Horizont. Ein Eisberg leuchtet golden, Pinguine treiben auf kleinen Schollen, in der Ferne tauchen Wale aus dem dunklen Wasser auf. Werner Rüegg hält seine Leica SL3 bereit. Nicht das Abenteuer treibt ihn an, sondern die Möglichkeit, einen flüchtigen Augenblick in ein bleibendes Bild zu verwandeln.
Im Rhythmus der Natur
Nach einer ersten Reise auf die Antarktische Halbinsel wollte Werner noch einmal zurück – diesmal ins Rossmeer. Fast einen Monat war das Expeditionsschiff unterwegs, ausgehend von Neuseeland und auf den Spuren der grossen Polarforscher. Wind, Wetter und Eis bestimmten die Route. Dass alle geplanten Stationen erreicht werden konnten, war keineswegs selbstverständlich. «Da war sehr viel Glück dabei, vor allem für mich als Fotografen. Wir hatten einen Monat lang aussergewöhnlich gutes Wetter. Einen Eisberg morgens um zwei Uhr in der Mitternachtssonne zu sehen – das ist genial. Solche Stimmungen vergisst man nie mehr.»
Werner arbeitete mit zwei Leica SL3. An einer Kamera verwendete er meistens das Objektiv SL 24–90, an der zweiten das SL 100–400. So konnte er zwischen Landschafts- und Tiermotiven wechseln, ohne in Wind und Kälte ständig Objektive tauschen zu müssen. Das SL 14–24 kam für die Weite der Eislandschaften zum Einsatz, die Leica Q3 für spontane Situationen an Bord. «Mit der SL3 macht es riesig Spass zu fotografieren. Leica fasziniert mich – die Marke, ihre Geschichte und vor allem die Qualität der Kameras und Objektive.»
Mit der SL3 macht es riesig Spass zu fotografieren. Leica fasziniert mich – die Marke, ihre Geschichte und vor allem die Qualität der Kameras und Objektive.
Werner Rüegg
Wenn der Nebel aufreisst
Einer der stärksten Momente der Expedition beginnt beinahe unsichtbar. Dichter Nebel liegt über einer Bucht. Vom Schiff aus sind zunächst nur Wasser und graue Konturen zu erkennen. Dann öffnet sich langsam ein schmaler Streifen. Tiere erscheinen auf dem Eis, dahinter ragt eine Bergkette mit über 3000 Meter hohen Gipfeln auf. An der Küste lebt eine Kolonie von rund 100’000 Pinguinen. Innerhalb weniger Minuten verwandelt sich die zuvor verborgene Landschaft in eine monumentale Szenerie. «Wir fuhren in diese Stimmung hinein. Das Licht, die Natur, dieser Moment – das war Wahnsinn.»
Werner interessiert sich für genau solche Übergänge: wenn eine Landschaft ihre Dimension erst allmählich preisgibt oder ein Kontrast plötzlich sichtbar wird. Besonders eindrücklich erlebt er dies am Mount Erebus. Schwarze Lava, aufsteigender Rauch und weisse Eisflächen treffen unmittelbar aufeinander. «Eine drei Meter breite Panoramaaufnahme dieses Moments hängt heute bei mir zu Hause.» Sie zeigt, wie wichtig ihm die präzise Wiedergabe von Strukturen ist. Die Kamera soll die Landschaft nicht interpretieren, sondern ihm ermöglichen, das Gesehene so festzuhalten, wie er es erlebt hat.
Geduld vor Geschwindigkeit
Gute Tierfotografie beginnt für Werner lange vor dem Auslösen. Er beobachtet die Tiere zunächst ohne Kamera, studiert ihr Verhalten und wartet, bis sie sich an die Anwesenheit der Menschen gewöhnt haben. Erst danach sucht er seinen Bildausschnitt. Diese Ruhe zahlt sich während einer Zodiac-Ausfahrt aus. Ein Seeleopard liegt regungslos auf einer Eisscholle. Das Boot fährt zweimal an ihm vorbei. Die Bilder sind technisch gelungen, doch ihnen fehlt der entscheidende Moment.
Werner bittet darum, die Scholle ein weiteres Mal zu umrunden. Beim dritten Vorbeifahren reisst der Seeleopard plötzlich sein Maul auf. Gleichzeitig fällt das Licht genau richtig auf Tier und Eis. «Die ersten beiden Fahrten ergaben eher langweilige Bilder. Beim dritten Mal riss er das Maul auf. Man sieht die ganze Zahnreihe, dazu hatten wir wunderschönes Licht. Da musst du auch Glück haben.»
Die Szene zeigt Werners Arbeitsweise: beobachten, vorausdenken und bereit sein. Seine Ausrüstung soll ihn dabei unterstützen, ohne sich zwischen ihn und das Motiv zu drängen. Gerade wenn nur Sekunden bleiben, zählt für ihn das Vertrauen in das SL-System.
Die Qualität der Leica Kameras und Objektive fasziniert mich.
Werner Rüegg
Über Werner Rüegg
Werner Rüegg ist seit seiner Jugend leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Seine Vorliebe gilt der Natur, der Tierwelt und entlegenen Landschaften. Auf seinen Reisen arbeitet er mit dem Leica SL-System und verarbeitet seine fotografischen Projekte zu grossformatigen Panoramen und persönlichen Bildbänden.