Follow Your Feet
Über 30 Jahre hinweg erkundete Rune Glifberg auf seinem Skateboard die Welt. Mit dabei: seine Leica M6 und seine Minilux. Seine Faszination für den Weg statt für das Ziel prägt nicht nur die Motive, sondern auch seine fotografische Arbeitsweise.
Es sind die kleinen, unscheinbaren Momente, hinter denen sich die Geschichten verbergen, die der dänische Profiskateboarder Rune Glifberg erzählen möchte. Auf der ganzen Welt findet er diese zarten Momente des Alltags, die uns das gemeinsame Menschliche vor Augen halten. Aufgenommen auf Film mit einer Leica M6 und einer Minilux, zeichnen sich seine Bilder durch einen zeitlosen und nostalgischen Charakter aus. Texturen, Licht und sein durch den Sport perfektioniertes Verständnis für Bewegung und Räumlichkeit leiten intuitivseine fotografische Praxis. Follow Your Feet ist seine erste fotografische Serie; sie entstand in Kooperation mit dem Leica Store Kopenhagen.
Das Interview mit Rune Glifberg
Können Sie uns etwas über Ihr Projekt Follow Your Feet erzählen?
Wir fanden, dass es an der Zeit war, die Bilder, die ich auf der ganzen Welt fotografiert hatte, zu zeigen, anstatt sie nur auf meiner Festplatte oder in meinem Büro zu sammeln. Online teile ich meine Fotos nur selten – vor allem nicht die, die mir am meisten bedeuten. Als wir begannen, die Auswahl für Follow Your Feet zusammenzustellen, suchte ich nach den Bildern, hinter denen eine besondere Geschichte oder Bedeutung steckt.
Skateboarding hat Sie um die ganze Welt geführt. Wie hat es die Art geprägt, wie Sie neue Orte erleben?
Skateboarder haben eine ganz natürliche Art, sich in Städten und an unbekannten Orten zurechtzufinden – zumindest in vielen Teilen der westlichen Welt. Wir sitzen, fallen und spielen auf dem Boden und nehmen die Architektur einer Stadt auf eine Weise wahr, die Nicht-Skateboardern oft verborgen bleibt. Ich war schon immer neugierig darauf, was sich hinter der nächsten Straßenecke verbirgt, und das habe ich dem Skateboarden zu verdanken.
Ihre Fotografien handeln nicht primär vom Skateboarden, sondern vor allem vom Alltag, von Menschen und urbanen Landschaften. Was zieht Sie an diesen Motiven an, und worauf richtet sich Ihr Blick?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich schon genau herausgefunden habe, was mich in der Fotografie wirklich antreibt. Der Titel der Ausstellung fasst das ganz gut zusammen; sie hätte jedoch genauso gut Follow Your Heart heißen können. Wenn ich fotografiere, habe ich selten ein konkretes Ziel vor Augen. Ich gehe einfach los und schaue, was passiert. Was mich fasziniert, ist Zeitlosigkeit: Etwas festzuhalten, das genauso gut gestern wie vor 50 Jahren hätte fotografiert werden können, begeistert mich besonders – manchmal vielleicht zu sehr. Dann verliere ich mich in falschen Details und verlange einer Szene zu viel ab.
Als professioneller Skateboarder haben Sie einen großen Teil Ihres Lebens vor der Kamera verbracht. Warum wollten Sie sie schließlich selbst in die Hand nehmen?
Früher war ich einfach zu bequem, um mich mit den technischen Grundlagen der Fotografie auseinanderzusetzen. Es fühlte sich für mich immer natürlich an, eine Kamera in die Hand zu nehmen, ein Bild zu komponieren und zu wissen, welches Bild daraus entstehen konnte. Es war eher die Technik – das Belichtungsdreieck, die Blendenwerte –, die mich davon abhielt, die Fotografie schon in meinen Zwanzigern oder Dreißigern ernsthaft zu verfolgen.
Wenn man als Skateboarder mit Fotografen arbeitet, entsteht das Bild gemeinsam. Ein guter Fotograf reicht dafür nicht aus. Auch der Skater muss ein Verständnis dafür haben, was hinter der Kamera passiert und aus welchem Winkel oder in welcher Komposition Tricks am besten rüberkommen. In gewisser Weise mache ich also schon seit Jahrzehnten Fotos – ich war nur nicht derjenige, der den Auslöser gedrückt hat.
Was macht für Sie ein gutes Foto aus?
Für mich spielt Textur eine große Rolle. Sie verleiht der Fotografie eine emotionale Ebene. Textur ist wie Patina, sie erzählt eine Geschichte: Haut, Falten oder Oberflächen verraten viel über eine Person oder einen Ort und schaffen eine tiefere Verbindung zwischen Bild und Betrachtenden. Immer dann, wenn es die Fantasie anregt, die Geschichte über den Bildrand hinaus weiterzudenken, ist es eine gute Fotografie.
Welche Gefühle möchten Sie bei den Betrachtenden auslösen?
Ich wünsche mir, dass sie meine Bilder zunächst wegen ihrer Schlichtheit und ihrer Schönheit genießen. Wenn sie sie dazu bringen, sich auf sie einzulassen und etwas zu empfinden, dann ist das großartig.
Was fasziniert Sie an der analogen Fotografie?
Ich mag vor allem, dass sie den Prozess entschleunigt, und ehrlich gesagt macht mir die Nachbearbeitung digitaler Bilder nicht besonders viel Spaß. Wenn ich digital fotografiere, habe ich oft das Gefühl, zu viele Möglichkeiten zu haben. Selbst wenn ich bereits ein gutes Bild habe, mache ich meistens noch ein paar zusätzliche Aufnahmen. Das führt schnell zu einer Unzufriedenheit, was schade ist, denn stattdessen sollte ich den Moment genießen.
Außerdem liebe ich das Warten, das zur analogen Fotografie gehört. Man weiß nie genau, wie eine Aufnahme geworden ist. Man verlässt den Moment voller Neugier, und wenn man das entwickelte Foto zum ersten Mal sieht, durchlebt man ihn erneut. Ich hoffe, dass ich irgendwann mehr Zeit habe, mich intensiver mit den Vorgängen in der Dunkelkammer zu beschäftigen.
Sie fotografieren mit einer Leica M6, einer Kamera, die eng mit der Street Photography verbunden ist. Was schätzen Sie besonders am Messsuchersystem?
Sobald man die Grundlagen verstanden hat, ist es ein unglaublich intuitives System. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich noch viele Motive verpasse und deutlich schneller und präziser werden könnte – gerade, wenn sich das Licht ständig verändert oder ich mit Zonenfokussierung arbeite. Für Follow Your Feet habe ich außerdem mit meiner Minilux gearbeitet. Ich liebe diese Kamera! Als Kompaktkamera ist sie für Reisen einfach unverzichtbar. Sie passt in jede Jackentasche und ist deshalb die perfekte Begleiterin.
Equipment:
Leica M6, Leica Minilux, Summicron-M 1:2/35 ASPH, Summilux-M 1:1.4/50 (Edition 1913–1983)
Rune`s Ausrüstung
© Arto Saari
Über Rune Glifberg
Rune Glifberg, geboren 1974, ist ein dänischer Profiskateboarder mit einer mehr als 30 Jahre umspannenden Karriere. In den vergangen Jahren widmete er sich vermehrt seiner fotografischen Tätigkeit. Mit einer scharfen Beobachtungsgabe hält er urbane Lebensräume, Texturen und Alltagssituationen auf der ganzen Welt fest und schafft ein nostalgisch-zeitloses Werk.
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