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Eine Ode an das Leben - die Reise mit der Leica MP

Mike Wicki mit der Leica MP

11/03/2026

Zur Geburt unserer Tochter hat mir meine Frau vor 10 Jahren eine Leica MP geschenkt. Im Augenblick des ersten Atemzugs entstand das erste Bild. Sinnbildlich für alles, was zuhause, auf Reisen, in den Bergen folgen würde, ist es für mich bis heute eine Ode an das Leben, an die Zuversicht und an die Liebe

Mike Wicki

Leica M bedeutet für mich Aufmerksamkeit für den Moment.

Die Photographie berührte mich immer schon auf eine besondere Weise. Mit vierzehn Jahren arbeitete ich in den Sommerferien in einem Kühlhaus. Mit dem ersten Lohn erwarb ich eine Kamera. Viele Jahre gehörten die Spiegelreflex und Kodak Gold 200 Filme zu meinen ständigen Begleitern.

Als ich dann Mitte 20 bei einem Lawinenabgang verschüttet wurde, spürte ich die Fragilität des Lebens am eigenen Leib. Dankbar, überlebt zu haben, begann ich mich mit dem Leben auseinanderzusetzen – nicht um mir das Leben, mit Hartmut Rosa zu sprechen, in Reichweite zu bringen oder es zu kontrollieren, sondern um mich mit dem Leben und seiner Unverfügbarkeit anzufreunden. Vielleicht hatte ich dadurch das starke Gefühl, dass ich mich dem Flüchtigen, dem Essenziellen nur mit Film und einer tiefen Sorgfalt wirklich annähern konnte. Das brachte mich vor fast 20 Jahren zu Leica. Leica M Kameras und die wunderbaren Objektive waren bei vielen der denkwürdigsten Momente seit den 1950er Jahren dabei. Das merkte ich schnell. Sie haben eine Aura. Ich erinnere mich daher genau an den Augenblick, als ich zum ersten Mal eine Leica M3 in meinen Händen hielt. Meine Leica M3.

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Es geht mir nicht so sehr darum, zu erzählen, was ich gemacht habe, sondern darum, ein Gefühl zu schaffen, wer wir füreinander waren und vielleicht immer noch sind.

Mike Wicki

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Projekt

Photographie beginnt für mich immer im Inneren. Sie entsteht aus einer Intuition, die mir zuflüstert, auf einen Moment zu antworten, der in mir Resonanz erzeugt.

Ein Bild ist für mich dann bedeutend, wenn es ehrlich ist – wenn es das trägt, was ich in jenem Moment gefühlt habe.

Oder eben umgekehrt – wenn ich etwas im Augenblick ehrlich gefühlt habe und dieses „je ne sais quoi“ dann auf dem Film eine Spur hinterlässt. Das Magische ist, dass uns diese Spur später zurückführen kann, in jenes Hier und Jetzt, das einst war.

Wenn ich meine persönlichsten Bilder der Welt zeige, geschieht das im Vertrauen darauf, dass jedem Einzigartigen auch etwas Universelles innewohnt. Es geschieht in der Zuversicht, dass der kleine, intime Augenblick, der einst nur von mir gefühlt wurde, seine Spur hinterlässt – an einem Ort, an dem andere ihre eigenen Erinnerungen, Sehnsüchte und Beziehungen wiederfinden können.

Mike Wicki

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Aussagen über die Kamera

Das Leben besteht im Grunde genommen aus Alltäglichem. Wahre Kunst bedeutet für mich, in diesem Alltäglichen das Aussergewöhnliche zu sehen und herauszuheben. Dafür bedarf es eines Sehens mit Herz. Meine analoge Leica MP liegt mir so geschmeidig und vertraut in der Hand, der Blick durch den Sucher ist so lebensnah, dass ich mich auch beim Photographieren ganz auf das Dasein einlassen kann. Die Haptik der Leica MP ist einfach grossartig, und wenn nach Jahren des intensiven Miteinanders an manchen Stellen das goldene Messing unter dem schwarzen Lack hervorschimmert, so erfüllt mich dieser Anblick mit Freude. Zu meinen Lieblingsobjektiven zählen das Summilux 1:1,4/50mm ASPH und das Summicron 1:2,0/35mm ASPH – auf sie ist auch in schwierigen Lichtsituationen Verlass. Vertrauen ist für mich besonders wichtig, da ich die analogen Bilder manchmal erst Wochen später – nach der Filmentwicklung – ansehen kann. Meine Leica habe ich eigentlich immer dabei; überall. Sie fühlt sich richtig an, selbst in Momenten, in denen sich das Leben in seiner reinsten, intensivsten Form zeigt und besondere Sorgfalt, Feingefühl und auch Demut angebracht ist – in den Momenten des Geborenwerdens und des Sterbens also.

Für mich ist die analoge Leica MP weit mehr als eine technische Ikone. Sie ist ein Symbol für Mitgefühl, Achtsamkeit und Humanität. Als Mensch, der mit Leidenschaft fotografiert – aber vor allem als Vater und Freund im Moment da sein möchte – brauche ich die Reduktion auf das Wesentliche: Den Blick durch den klaren, wunderschönen Sucher, der die Verbindung zum Gegenüber jederzeit wahrt. Und das Vertrauen, dass das Objektiv den Moment genauso schön zeichnet, wie ich ihn wahrnehme.

Mike Wicki