Nähe als Entscheidung
Es ist ein Objektiv, das Annäherung, Tiefe und Atmosphäre miteinander verbindet – ohne seine Natürlichkeit zu verlieren. Der Übergang von Schärfe zu Unschärfe wirkt organisch und weich.
Andreas Pretali sucht nicht den schnellen Moment. Seine Bilder entstehen dort, wo man sich einlässt – auf Menschen, auf Tiere, auf Details, die oft übersehen werden. Mit dem Leica Noctilux-M 35mm f/1.2 findet diese Haltung ein Werkzeug, das nicht beschleunigt, sondern präzisiert. «Meine Bilder entstehen aus kurzen Begegnungen – aus Momenten der Annäherung, bevor sie im Rhythmus der Welt wieder verschwinden.»
Das neue Noctilux-M 35mm f/1.2
Das Noctilux-M 35mm f/1.2 steht im Zentrum von Andreas Pretalis aktueller Arbeit. Nicht als technisches Statement, sondern als logische Konsequenz seines fotografischen Weges. Es unterstützt seine Art zu sehen, ohne sie zu dominieren. «Die offene Blende verstärkt die visuelle Trennung zwischen Motiv und Umgebung sehr deutlich», erklärt er. «Das Bild wirkt dadurch visuell ausgeglichen, konzentriert und emotional. Der Blick wird automatisch auf das Wesentliche gelenkt.»
Gleichzeitig bleibt der Raum erfahrbar. «Der Hintergrund verschwindet nicht vollständig, sondern bleibt atmosphärisch präsent. Genau das erzeugt Tiefe und lässt das Motiv dennoch aus dem Bild herauslösen.» Besonders in der Street- und Porträtfotografie ist diese Balance entscheidend: Nähe entsteht, ohne den Ort zu verlieren.
Schärfeverlauf mit Ruhe und Charakter
Was Andreas Pretali am neuen Noctilux-M 35mm f/1.2 besonders schätzt, ist nicht allein die Lichtstärke, sondern der Charakter des Schärfeverlaufs. «Der Übergang von Schärfe zu Unschärfe wirkt extrem organisch und weich», sagt er. «Er fühlt sich nicht technisch an. Selbst bei Offenblende bleibt das Bild harmonisch und gelassen.»
Auch das Bokeh folgt dieser Zurückhaltung. «Es ist nicht einfach nur weich, sondern behält Struktur. Lichter verlaufen gleichmässig, ohne harte Kanten.» Für Pretali ist entscheidend, dass das Bokeh dienend bleibt: «Es trägt die Stimmung, ohne selbst im Vordergrund zu stehen.»
Wenn Annäherung Teil der Erzählung wird
Gerade im urbanen Umfeld beginnt das Noctilux-M 35mm f/1.2 subtil mitzuerzählen. «Lichtquellen, Reflexionen oder Bewegungen im Hintergrund geben Hinweise auf Ort und Atmosphäre», sagt Pretali. «Nicht als Effekt, sondern als Teil der Geschichte.»
Der neue Nahfokus erweitert diese Bildsprache deutlich. «Ich kann sehr nah an Menschen, Tiere oder Details herangehen, ohne dass der Ort seine Bedeutung verliert.»
So entstehen Bilder mit Intimität, die dennoch räumlich bleiben. «Gerade bei Porträts entsteht dadurch eine besondere Verbindung zwischen Annäherung und Umgebung.»
35mm - bewusste Entscheidung
Für Andreas Pretali ist 35mm keine bequeme Allround-Lösung, sondern eine klare Haltung. «35mm war schon immer meine bevorzugte Brennweite», sagt er. «Und das Noctilux-M 35mm f/1.2 ist für mich die konsequenteste Version davon.» Die Stärke liegt in der Vielseitigkeit. Abgeblendet arbeitet das Objektiv präzise und unaufgeregt in der Reportage- und Streetfotografie, offenblendig wird es emotional und erzählerisch.
«Ich muss mich nicht festlegen, sondern kann situativ arbeiten.» Im direkten Vergleich mit dem Summilux-M 35mm f/1.4 beschreibt er den Unterschied klar: «Das Summilux wirkt klassischer und neutraler, während das Noctilux mehr Tiefe und eine stärkere räumliche Wirkung erzeugt – ohne sich aufzudrängen.»
Leica als Wendepunkt
Die Beziehung zu Leica entstand nicht strategisch, sondern intuitiv. Nach Jahren in der Natur- und Tierfotografie – analog bereits als Jugendlicher – kam 2018 erstmals Streetfotografie dazu. Ein Kurs, viel Neugier, kaum Erfahrung. Danach eine Pause. Und 2023 ein spontaner Neustart.
Ein Workshop in London wurde zum Schlüsselmoment. «Zum ersten Mal habe ich mit Leica fotografiert – eine Q2. Ich war sofort fasziniert.» Zurück in der Schweiz folgte eine klare Entscheidung. «Ich bin in den Leica Store Zürich gegangen und mit einer Q2 wieder rausgelaufen. Einfach, reduziert, kein Schnickschnack – das hat mich sofort abgeholt.»
Entschleunigung als Qualität
Heute arbeitet Andreas Pretali mit der Leica M11-P und der Q3. Der Umstieg auf die M fiel ihm leicht – und veränderte seine Arbeitsweise nachhaltig. «Die M hat meine Fotografie entschleunigt.» Manuelles Fokussieren verlangt Aufmerksamkeit, reduziert Geschwindigkeit und schärft den Blick. «Ich mache weniger Bilder, fotografiere aber gezielter.»
Gerade in Kombination mit dem Noctilux wird Präzision zentral. «Die geringe Tiefenschärfe bei f/1.2 zwingt zu bewussten Entscheidungen.» Für Porträts nutzt er gezielt den Visoflex, der ihm bei offener Blende zusätzliche Sicherheit gibt.
Andreas Pretali
Schwarzweiss als Reduktion
Andreas Pretali arbeitet fast ausschliesslich in Schwarzweiss.
«Schwarzweiss ist für mich klarer. Farbe lenkt ab – besonders bei Porträts.» Struktur, Kontrast und Charakter treten deutlicher hervor. «Schwarzweiss nimmt Unruhe aus dem Bild.» Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere. «Gerade dort wirkt Schwarzweiss extrem stark, weil Texturen und Ausdruck klarer sichtbar werden.»
Für wen ist das Noctilux-M 35mm f/1.2?
«Es ist ein Objektiv, das Annäherung, Tiefe und Atmosphäre miteinander verbindet – ohne seine Natürlichkeit zu verlieren.» Für Andreas Pretali ist klar, an wen sich das Noctilux richtet: «An Fotografen, die mit Haltung arbeiten, Nähe suchen und die Bildwirkung aktiv gestalten wollen.» Nicht für reine Geschwindigkeit. Nicht für Automatismus. «Dieses Objektiv belohnt Aufmerksamkeit.»
Und genau dort entstehen seine Bilder: aus kurzen Begegnungen, aus Momenten der Annäherung, bevor sie im Rhythmus der Welt weiterziehen.
Andreas Pretali ist ein Schweizer Fotograf mit Schwerpunkten in Street-, Porträt-, Natur- und Tierfotografie. Seine Arbeit ist geprägt von Schwarzweiss-Bildern, Nähe und dokumentarischer Haltung. Neben freien Projekten war er auch für Umwelt- und Tierschutzorganisationen im Einsatz und arbeitet heute als unabhängiger Fotograf in der Schweiz.