„UNSEEN" - Julian Kramer
Der Leica Projekt Raum Nürnberg präsentiert die Ausstellung „UNSEEN" von Julian Kramer.

Die Fotografie gilt als Abbild der Realität. Die Werke von Julian A. Kramer hinterfragen diesen Anspruch und zeigen oft das, was im Moment der Aufnahme gar nicht sichtbar war oder nie wirklich vorhanden gewesen ist.

Julian A. Kramer ging in Nürnberg zur Schule, lebt heute in München und ist die meiste Zeit unterwegs, beruflich, für einen amerikanischen Technologiekonzern. Fotografiert wird dort, wo er gerade ist. Nicht inszeniert und auch nicht drapiert, sondern ganz im Sinne der Straßenfotografie: Gesehen, gefunden und im Nachhinein thematisch kuratiert.

In seinen Autoportraits fehlt, wer das Auto besitzt oder fährt. Zu sehen sind nur die hinterlassenen Spuren, der Blick durch die Windschutzscheibe in einen intimen Lebensraum, geparkt in aller Öffentlichkeit. Ein Portrait ohne Mensch, lesbar nur über das, was dieser zurücklässt. Nach New York und München ist die Serie nun erstmals auch in seiner Heimatstadt Nürnberg zu sehen.

Die Bildserie “Looming Danger” thematisiert das drohende Ableben im Alltag. Situationen, fotografiert mit dem richtigen Timing und der Spannung einer Katastrophenszene, obwohl eigentlich nichts passiert. Die Bedrohung entsteht im Bild, jedoch nicht in der Realität. Die Serie feiert in Nürnberg ihre Premiere.

Klassische Szenen aus der Straßenfotografie ergänzen beide Serien mit dem, was ohnehin vor aller Augen liegt und trotzdem oft übersehen wird: flüchtige Begegnungen, skurrile Situationen und unerwartete Zusammenhänge im öffentlichen Raum, sichtbar erst durch die Komposition mit der Kamera.

Wer sich die Arbeiten von Julian A. Kramer ansieht, wechselt dabei ständig die Rolle: mal als Voyeur, der einen Blick erhascht, der ihm nicht zusteht. Mal als Soziologe, der die stille Ordnung des öffentlichen Raums liest. Mal als Archäologe, der aus Andeutungen etwas rekonstruiert, das so vielleicht nie da war.  

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